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Sendung vom 14.01.2003

Fische im Käfig

Dienstag, 14. Januar 2003, 1:00 Uhr

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Fische im Käfig

Weltweit sind 75 Prozent der Fischbestände überfischt. Als Alternative propagieren grosse Fischerei-Unternehmen die Fischzucht. Ein sinnvoller Ausweg aus der Überfischung?

In der Nordsee ist der Kabeljau-Bestand zusammengebrochen. Gab es hier in den 70er Jahren noch 200'000 Tonnen Kabeljau, sind es heute nur noch 30'000 Tonnen - 85 Prozent weniger! Nur ein sofortiger Fangstoff kann das Aussterben des beliebten Speisefisches verhindern, warnen Wissenschaftler.

Auch die Spanische Nordwestküste ist überfischt, die Fänge spärlich geworden. Pescanova, der grösste Fischerei-Betrieb Spaniens, hat deshalb vor einigen Jahren mit der Fischzucht begonnen. Die von Pescanova gezüchteten Steinbutte leben in riesigen Käfigen auf dem Meeresgrund. Mit Videokameras kontrollieren die Fischer, ob die gemästeten Tiere nach Plan fressen und zulegen. "Zurzeit ist die Hochseefischerei für unser Unternehmen noch wichtiger. Doch die Zukunft wird der Fischzucht gehören", ist Enrique de Llano, Direktor von Pescanova, überzeugt.

Claude Martin, Generaldirektor von WWF International sieht in der Fischzucht eine sinnvolle Alternative zur Überfischung der Weltmeere. "Doch wir müssen dafür sorgen, dass die Zucht innerhalb von Rahmenbedingungen passiert, die Umwelt- und sozialverträglich sind", sagt Martin. Das ist vielerorts noch ein Problem: "Entlang der Küste beeinträchtigen die Zuchten manchmal sogar Naturschutzgebiete. Zudem werden viele Pestizide, Chemikalien und Antibiotika verwendet, die man nachher im Abwasser oder in den marinen Ökosystemen findet", weiss Martin. Die exklusiven Kassensturz-Bilder zeigen junge Goldbrassen, die in Tankwagen gepumpt und anschliessend für ein schnelleres Wachstum zu wärmeren Gewässern gekarrt werden oder Steinbutte, die lebend auf Eis gelegt und in Styroporkisten verpackt werden.

Besonders schnell entwickelt sich die Fischzucht-Industrie in Spanien: In den letzten 5 Jahren wuchs sie jährlich um 30 Prozent. Bereits jeder zweite Fisch, den wir essen, stammt aus einer Zucht. Das bestätigt Markus Fehr, Leiter Fisch des Migros Genossenschaftsbundes: "Zuchtfische machen inzwischen rund 50 Prozent des Angebots aus", sagt Fehr. Tendenz zunehmend. Auch Coop führt im Sortiment einen grossen Anteil an Zuchtfischen. Mit ein Grund: Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist der wildgefangene Fisch zu teuer geworden. Zuchtfische sind meist bedeutend günstiger. Eine Goldbrasse aus der Zucht kostet halb so viel wie eine Goldbrasse aus dem Wildfang. Coop setzt sich grundsätzlich für Zuchtfische ein: "Es gibt schlechte Beispiele in der Fischzucht", wendet Coop-Sprecher Karl Weisskopf ein. "Wichtig ist aber, dass man die guten Beispiele fördert." (Siehe Tipps)

(Kassensturz vom 14.1.2003)

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