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Sendung vom 29.04.2008

Todkranker Mann: Krankenkasse zahlt OP nicht

Dienstag, 29. April 2008, 21:02 Uhr

Ein Mann ist schwer an Krebs erkrankt. Er habe nur noch kurz zu leben, sagen seine Ärzte. Auf eigene Faust lässt er sich in einem deutschen Unispital behandeln. Mit Erfolg. Doch seine Krankenkasse weigert sich, den Eingriff zu bezahlen. Nun hat der 62-Jährige Schulden von 80'000 Franken.

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Todkranker Mann: Krankenkasse zahlt OP nicht

Die schlimme Diagnose vor fast zwei Jahren traf Guido Liebmann hart: Krebs. Ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse, Metastasen auf der Leber – ein Todesurteil. «Die Onkologen haben mir damals die schreckliche Nachricht überbracht und gesagt, dass ich keine grossen Überlebenschancen habe», erzählt der 62-Jährige. Die Ärzte schickten ihn nach Hause mit dem Ratschlag, er solle sich mit der Krankheit abfinden.

Hoffnungen vorerst zerschlagen

Das wollte Guido Liebmann nicht. Nach dem ersten Schock beschloss er, um sein Leben zu kämpfen. Eine Operation, davon war er überzeugt, würde ihn von den quälenden Bauchschmerzen befreien und sein Überleben sichern. Doch die Hoffnung zerschlug sich: «In St. Gallen sagte man mir, dass ich in der Schweiz keinen Arzt finden würde, der mich operiert, denn die Krankheit sei fortgeschritten und die Leber schon zu 25 Prozent mit Metastasen befallen», sagt Liebmann.

Professor Thomas Cerny leitet die Onkologie-Abteilung des Kantonsspitals St. Gallen. Auch anderthalb Jahre später würden er und seine Ärzte gleich entscheiden: Chemotherapie ja, Operation nein. «In einer solchen Situation operiert man einen klassischen Bauchspeicheldrüsentumor nicht oder höchstens dann, wenn irgendwo eine Metastase ist, die unmittelbare Beschwerden verursacht», sagt der Professor.

Im Internet nach Ausweg gesucht

Keine Operation – das wollte Guido Liebmann nicht akzeptieren. Im Internet suchte er nach einem Ausweg und wurde fündig. Am Institut für Klinische Radiologie der Universitätsklinik Grosshadern in München schlagen Ärzte seit sechs Jahren neue Wege ein: Zuerst operieren sie Tumore weg, dann bestrahlen sie Metastasen direkt in der Leber. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter der Angiographie und Interventionellen Radiologie, führt die sogenannte Selektive Interne Radio Therapie, kurz SIRT, durch. Der Radiologe legt von der Leiste her einen Katheder in die Leberarterie. Auf diesem Weg spritzt er eine radioaktive Substanz direkt in die Metastasen.

Guido Liebmann unterzog sich dem Eingriff im September 2006. Mit Erfolg: Die Röntgenbilder zeigen, wie stark sich die Metastasen zurückbilden. Auf einem Bild vor der Behandlung ist die Leber voller Metastasen, im Januar dieses Jahres ist sie metastasenfrei. Doch Guido Liebmann hat ein Problem: Seine Krankenkasse deckt nur die Chemotherapien, denen er sich in der Schweiz unterzog. Die Behandlungen in München zahlt sie nicht. Das macht die Helsana von Anfang an klar.

Bruchteil der Kosten übernommen

«Wir brachten das Geld irgendwie auf. Es kostete einiges, aber im Nachhinein habe ich gedacht, Helsana müsste was dazu beitragen, weil ich seit 40 Jahren bei der Helsana versichert bin und meine Beiträge regelmässig zahle», sagt Liebmann. Schliesslich übernimmt die Helsana zwar 18'000 Franken, doch die Rechnungen aus München belaufen sich auf 80'000 Franken. Bei 46'000 Franken hört Guido Liebmann auf, sie einzuschicken, weil die Helsana sie zurücksendet.

Der Vertrauensarzt der Helsana schreibt 2006 in einer internen Beurteilung: «Es handelt sich um eine neue Methode, welche sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren bei inoperablem Leberkrebs und Lebermetastasen als Therapieoption etablieren wird. Mit einem Einsatz in der Schweiz wird zu rechnen sein. Doch ist SIRT zum jetzigen Zeitpunkt keine anerkannte Therapie bei metasierendem Pankreaskarzinom.» Die Helsana zahlt nicht: Das Krankenversicherungsgesetz verbiete es, die Kosten für eine Wahlbehandlung im Ausland zu übernehmen. Und: Es lägen keine wissenschaftlichen Studien vor.

Neue Methode – Deutsche zahlen

Ganz anders die deutschen Kassen: Sie zahlen die SIRT-Therapie, weil sie eine vielversprechende neue Methode sei. Radiologe Hoffmann: «Es ist sicherlich eine Therapieform, die sehr modern ist, bei der noch keine grösseren Studien durchgeführt worden sind, aber letztendlich ist es schon so, dass wir wissen, dass Strahlung sehr gut geeignet ist, um Tumore zu behandeln und wir wissen auch, dass diese Leberversorgung über zwei Gefässsysteme es uns möglich macht, Tumoren mit Metastasen, egal welcher Herkunft, sehr gezielt zu behandeln.»

Guido Liebmann geht seinen Weg unbeirrt weiter. Sein Pech: Er erkrankte im falschen Moment. In ein paar Jahren wird die Helsana die Kosten der SIRT vielleicht übernehmen. Eine Therapie, mit der Guido Liebmann Lebenszeit und Lebensqualität gewonnen hat – seit diesem Monat arbeitet er wieder 30 Prozent. Ob Helsana die Behandlungskosten in Deutschland zahlen muss oder nicht, entscheidet jetzt das Verwaltungsgericht Schwyz.

Kassensturz, 29.04.2008

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