Sendung vom 02.09.2008
Hausbesitzer: Null Rappen vom «Klimarappen»
100 Millionen pro Jahr zahlen Autofahrer über eine Abgabe auf Benzin und Diesel an die Stiftung «Klimarappen». Die Stiftung soll CO2-Ausstoss reduzieren und unterstützt die Sanierung alter Gebäude. Gute Idee, doch umweltbewusste Hauseigentümer sehen oftmals keinen müden Rappen.
Jeder Autofahrer zahlt eine Abgabe von 1,5 Rappen auf jeden Liter Benzin und Diesel. Das Geld fliesst an die Stiftung «Klimarappen». Einen grossen Teil der Einnahmen ist für das sogenannte Gebäudeprogramm reserviert. Hauseigentümer, die ihr Haus auf den neuesten energetischen Stand setzen, werden unterstützt.
Umweltbewusste frustriert
Doch viele umweltbewusste Hauseigentümer sind frustriert. Zum Beispiel das Ehepaar Dietiker: «Ich bin stinksauer, das Ganze ist nicht realistisch», sagt Peter Dietiker. Im letzten Jahr bauten die Dietikers das über 40-jährige Zweifamilienhaus um. Sie machten alles richtig. Das Dach ist jetzt mit 22 Zentimetern gedämmt und die Fenster entsprechen dem Minergiestandart.
Dietikers investierten fast 100 000 Franken in die verbesserte Isolation. Dafür entschädigte sie der Klimarappen mit 4300 Franken. Doch für das Gesuch mussten sie eigens einen Energieberater beauftragen. Seine Honorarforderung: 2300 Franken. Unter dem Strich bleiben den Dietikers 2000 Franken. Susanne Dietiker: «Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum erhaltenen Betrag.»
Stapelweise Beschwerden
Das kritisiert auch der Schweizer Hauseigentümerverband. Direktor Ansgar Gmür erzählt, wie der Klimarappen bei sanierungswilligen Mitgliedern regelmässig für rote Köpfe sorgt. Bei ihm stapeln sich die Beschwerden erboster Hauseigentümer. Das Förderungsprogramm Klimarappen schreckt mehr ab anstatt zu fördern. «Die Eingabe ist zu kompliziert, die Hürden sind zu hoch», sagt Ansgar Gmür.
Insbesondere kritisiert Gmür, dass nur Geld bekomme, wer zwei Gebäudeteile renoviere und dass eine Mindestinvestitionssumme von 20’000 Franken bestehe. «Das alles benachteiligt kleine Hauseigentümer», sagt Gmür. Es bestehe so kein Anreiz, überhaupt CO2-reduzierende Massnahmen zu ergreifen.
Auf «falsche» Heizung gesetzt
Auch Chistian Meier, gelernter Zimmermann und umweltbewusster Hauseigentümer, hatte ausser Ärger gar nichts vom Klimarappen. Auch er erneuerte alle Fenster im Haus und isoliert jetzt den Dachstuhl. Doch vom Klimarappen sieht er kein Räppli. Der Grund: Als er das Haus kaufte, setzte er auf die «falsche» Heizung. Er investierte 55’000 Franken in eine CO2-freie Heizanlage. Chistian Meier: «Weil ich eine Erdsondenheizung installierte, bekam ich vom Klimarappen kein Geld.»
Absurd: Hätte Meier eine Gas oder Oelheizung installiert, hätte er Geld bekommen. Die Stiftung Klimarappen argumentiert, Meier heize ja bereits CO2-frei. Er könne mit zusätzlicher Dämmung nicht weiter CO2 sparen. Aus Sicht der Stiftung Klimarappen logisch, aus ökologischer jedoch ein Unsinn.
Viele Gelder bleiben liegen
Von den im Gebäudeprogramm zur Verfügung stehenden 165 Millionen hat die Stiftung nicht einmal die Hälfte ausgegeben oder für Projekte zugesagt. Der Hauseigentümerverband befürchtet, dass die Stiftung die eingenommenen Millionen für das Gebäudeprogramm in der Schweiz gar nicht investieren kann.
Kassensturz, 02.09.2008
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