Sendung vom 04.11.2008
Steigende Heizkosten lassen Vermieter kalt
Nur wenige grosse Liegenschaftsbesitzer bauen und sanieren Wohnhäuser konsequent nach energiesparenden Kriterien. Auch bei der Auswahl von energieeffizienten Kühlschränken, Waschmaschinen und Tumblern hapert es. Das ergab eine umfangreiche «Kassensturz»-Umfrage bei rund 20 Liegenschaftsbesitzern.
Wer in einem wärmetechnisch gut isolierten Haus wohnt, spart Heizkosten. In alten Gebäuden kann der Ölverbrauch pro Quadratmeter bis zu 20 Liter betragen. In einem nach Minergie-Standard renovierten Haus sinkt er auf unter fünf Liter pro Quadratmeter. Stehen dazu in der Küche ein Kühlschrank der besten Effizienzklasse A++, im Keller eine energiesparende Waschmaschine und dazu ein Tumbler mit Wärmepumpe, sparen Mieterinnen und Mieter jährlich Hunderte von Franken an Strom- und Warmwasserkosten.
13 von 21 gaben Antwort
«Kassensturz» verschickte einen detaillierten Fragebogen an grosse Wohnungsbesitzer: Wie gross ist der Heizölverbrauch pro Quadratmeter in Ihren Liegenschaften? Wie viele Ihrer Wohnliegenschaften haben Sie in den letzten fünf Jahren renoviert? Beabsichtigen Sie, in Zukunft nach Minergie-Standard zu bauen und zu renovieren? Zu welcher Effizienzklasse gehören Kühlschränke, Waschmaschinen und Tumbler, die Sie dieses Jahr anschaffen?
13 Liegenschaftsbesitzer füllten den Fragebogen aus, acht gaben keine Antwort. Jürg Nipkow von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz wertete die Rückmeldungen aus. Er beurteilte einerseits Anstrengungen und Absichten beim Renovieren und Neubauen von Häusern («Gebäude»), anderseits klassierte er Angaben zur Beschaffung von Kühlschränken, Waschmaschinen und Tumblern («Geräte»).
Blosse Pinselrenovationen
Die Antworten zeigen grosse Unterschiede beim Engagement im Gebäudebereich: Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich ABZ, Bâloise Versicherung und die Stadt Zürich schneiden mit einem «Gut» ab. Zürich hat bereits ein Viertel ihrer Wohnungen renoviert, ABZ und Baloise je ein Fünftel. Auch Solartechnik ist bei allen ein Thema. «Das sind Verwaltungen, die Energiebewusstsein und die Verantwortung für Nachhaltigkeit ernst nehmen und tatsächlich auch etwas machen», sagt Jürg Nipkow gegenüber «Kassensturz».
«Ungenügend» beurteilt der Experte hingegen beispielsweise die Stadt Basel und andere Immobilienbesitzer. Jürg Nipkow: «Das sind Verwaltungen, die einfach sogenannte Pinselrenovationen machen. Die Mieter büssen das, indem sie zuviel Heizkosten zahlen.» Basel schreibt, den Behörden sei bewusst, dass grosser Nachholbedarf bestehe. Die Vorlaufzeit für eine sinnvolle Sanierung eines so grossen Liegenschaften-Portfolios sei lang und komplex – Basel befinde sich aber mitten im Prozess.
Energieetikette ein Begriff
Etwas weniger deutlich sind die Unterschiede bei den «Geräten»: Fünf Immobilienbesitzer erhalten «gut», sieben «genügend» und nur eine Verwaltung schneidet «ungenügend» ab. Jürg Nipkow: «Es scheint, dass fast alle mal gehört haben von der Energieetikette. Sie wissen, dass Klasse A gut ist, das ist an sich positiv. Aber heute ist es so, dass man es genauer wissen muss.» Denn ein Kühlschrank der Effizienzklasse A++ verbraucht rund 45 Prozent weniger Energie als ein Modell der Klasse A. Und bei Tumblern ist nur A wirklich gut, und nicht B.
Die «Kassensturz»-Umfrage zeigt: Bis jetzt renovieren grosse Liegenschaftsbesitzer viel zu wenig. Das belastet die Umwelt. Und Mieterinnen und Mieter zahlen zu viel für Heizung, Warmwasser und Strom.
Kassensturz, 04.11.2008
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