Sendung vom 28.04.2009
Verschrottungsprämie: Wie Autohändler tricksen
Um ihr Geschäft anzukurbeln, sprechen viele Autohändler das Umweltgewissen ihrer Kunden an. Wer seinen alten Wagen abgibt und ein neues Auto kauft, erhält eine Schrottprämie. «Kassensturz» deckt auf: Das alte Auto wird oft gar nicht verschrottet, das Ganze ist bloss eine billige Rabattaktion.
Verschrottung als Umweltmassnahme – damit wirbt jetzt auch die Autobranche. Denn alte Autos stossen meist viel mehr CO2 aus als neue. Wer sein achtjähriges Auto gegen einen neuen Renault eintauscht, erhält eine Schrottprämie von 2000 Franken. Wie ernst nimmt Renault sein Werbeversprechen? «Kassensturz» fragt bei Renault-Händlern nach – auch bei Bruno Dubach in Oensingen SO. Der langjährige Renault-Händler gibt schnell zu: Die alten Autos, die Kunden für die Schrottprämie abgeben, würden weiterverkauft.
Renault: «Ausnahme»
Wiederverkauf statt Verschrottung sei eine Ausnahme, sagt Renault Schweiz. André Hefti: «Dreiviertel der eingetauschten Autos werden verschrottet. Ein Teil wird exportiert.» Mobilität brauche es auch in Ländern wie Afrika, wo Menschen sich keine CO2-effizienten Autos leisten könnten. Einige Wagen werden für Ersatzteile gebraucht. Nur ganz wenige alte Wagen, so Hefti weiter, würden hier weiterhin gefahren.
Eine Behauptung – denn ein internes Papier an die Renault-Regionalvertreter zeigt, von Verschrottung ist gar keine Rede. Im Gegenteil, Renault empfiehlt seinen Händlern, die alten Autos weiterzuverkaufen: 750 Franken der 2000-fränkigen Prämie übernimmt Renault Schweiz. 500 Franken soll der Händler über seine Marge zahlen und 750 Franken könne der Händler mit dem Wiederverkauf der alten Autos erzielen.
Das heisst: «Wir müssen dem Kunden 2000 Franken gutschreiben, bekommen von Renault aber nur 750 Franken zurückvergütet», sagt Bruno Dubach. Jeder Händler in der Schweiz bezahle also 1250 Franken aus dem eigenen Sack. Dubach: «Deshalb müssen wir das Auto auf jeden Fall wieder an den Mann bringen, wir müssen das Fahrzeug auf den Platz stellen und wieder einen Käufer suchen.»
WWF: «Greenwashing»
Für den Klimaexperten Patrick Hofstetter von der Umweltschutzorganisation WWF ist klar, ohne garantierte Verschrottung hat die Umwelt nichts von der Renault-Aktion. Hofstetter: «Für uns ist das ganz klar Greenwashing.» Einerseits würden alte Autos mit hohen Emissionen nicht verschrottet, sondern von neuen Besitzern weiterbetrieben, andererseits gebe es auch keine Anreize, ein effizienteres Auto zu kaufen. «Genau das wäre aber nötig. Darum ist diese gesamte Kampagne eher ein Rück- statt ein Fortschritt», sagt Hofstetter.
Anreize, um alte CO2-Schleudern zu verschrotten, sind gut fürs Klima. Doch sie müssen sinnvoll sein. Auch andere Autoimporteure locken Kunden mit Umweltprämien. Beispiel Citroen: Citroen wirbt mit einem Öko-Bonus – ohne Verschrottung. Aber in den Genuss der Prämie kommt nur, wer ein energieeffizientes Citroen-Modell kauft.
Beispiel Ruckstuhl-Garagen: Sie versprechen bis zu 7000 Franken. Immerhin: Ruckstuhl verlangt zwingend eine Verschrottung. Dafür sei die Prämie so ausgestaltet, dass es einen Anreiz gebe, besonders schwere, umweltbelastende Autos zu kaufen. Die Prämie steigt, je grösser das Fahrzeug ist, das man kauft. Für den Klimaexperten Hofstetter ist das nicht nur unerwünscht, sondern sogar kontraproduktiv.
(sf/gfrk/doer)
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