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Sendung vom 12.05.2009

Telefonbuch: Kunden ärgern sich über Swisscom

Dienstag, 12. Mai 2009, 21:04 Uhr

Die Swisscom-Tochter Directories druckt jedes Jahr unbeirrt vier Millionen Telefonbücher und verschickt sie jedem, ob er will oder nicht. Sie macht damit ein gutes Geschäft – dank Werbeeinnahmen. Doch viele Kunden ärgern sich über eine solche Papierverschwendung im Zeitalter des Internets.

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Telefonbuch: Kunden ärgern sich über Swisscom

Dicke Post bringt der Briefträger – das druckfrische Telefonbuch: In der Region Baselland wird derzeit der aktuelle Band zugestellt. Die 25 regionalen Ausgaben werden über das Jahr hinweg gestaffelt produziert und in der ganzen Schweiz verteilt. Über 4 Millionen Einträge stehen im gedruckten Nummern-Verzeichnis von Swisscom Directories. Jeder Telefonanschluss hat das Recht auf ein Telefonbuch.

Direkt ins Altpapier

Rolph Müller im bernischen Rüfenacht ärgert sich, dass er das Telefonbuch ungefragt bekommt. Aus seiner Sicht eine grosse Papierverschwendung: «Das Telefonbuch wandert direkt ins Altpapier. Ich brauche das nicht.» Warum die Swisscom diese Bücher immer noch verschicke, verstehe er nicht. Viele Leute in seinem Umfeld würden das Telefonbuch ebenfalls direkt im Altpapier entsorgen. Müller: «Das ist eine grosse Umweltbelastung und nicht nötig.»

Ein Bestseller ist das Telefonbuch schon lange. 1880 erscheint das erste schweizerische Telefonverzeichnis der «Zürcher Telephon-Gesellschaft» mit 130 Kundeneinträgen. 1948 werden bereits 500'000 Kundeneinträge registriert. Mit 5,2 Millionen Telefonbüchern wurden 2002 am meisten Exemplare gedruckt. Seither sinkt die Auflage. Denn heute suchen viele die Telefonnummern im Internet – schnell und auch ausserhalb ihrer Region.

Ungefragt zugestellt

Mit dem gedruckten Telefonbuch kann auch Rolph Müller nichts mehr anfangen. Für ihn wäre eine Lösung, dass die Swisscom ihre Kunden vorgängig fragt, ob sie das Telefonbuch wollen und brauchen – und vor allem von welcher Region. Der Kunde solle bestellen und die Swisscom nur drucken, was gebraucht werde, schlägt Müller vor. 2009 entstehen 4,2 Millionen Telefonbücher. Über 5000 Tonnen Papier verschlingt die Jahresproduktion.

Von sorglosem Umgang mit Rohstoffen könne keine Rede sein: «Unser Papier enthält einen Recycling-Anteil von 75 Prozent», sagt Martin Lüthi von Swisscom Directories. Zudem sei das Telefonbuch ein Jahr gültig. Es komme dann ins Altpapier und werde so wieder dem Recycling-Prozess zugeführt. Der zur Herstellung verwendete Holzanteil stammt laut Lüthi aus Plantagen, die gleichzeitig wieder aufgeforstet werden.

Kauf oder Tausch

Die flächendeckende Verteilung ist wichtig fürs Geschäft. Swisscom Directories finanziert die Telefonbücher komplett über Werbung. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen inserieren im Telefonbuch ihrer Region. Die Grenzen einer Region legt Directories fest – zum Nachteil vieler Kunden. Zum Beispiel für Arnold Hoffmann in Freidorf im Kanton Thurgau. Er wohnt direkt an der Kantonsgrenze, nur sieben Kilometer entfernt von St. Gallen. Obwohl er das St. Galler Telefonbuch viel besser brauchen könnte, bekommt Hoffmann das Thurgauer Telefonbuch zugeschickt.

Im Studio von «Kassensturz» nahm der Geschäftsführer von Swisscom Directories, Rainer Mühlberger, Stellung zu den Vorwürfen. Er sagt, etwa 80 Prozent der Bevölkerung würde das Telefonbuch nach wie vor als Nachschlagewerk verwenden. Dies hätten die Ergebnisse der Marktforschung gezeigt. Ausserdem könne das Buch bereits heute telefonisch oder im Internet abbestellt werden. Ab der nächsten Verlagsserie werde das auch per Antwortkarte möglich sein – kostenlos. Da könne man dann einfach «Buch abbestellen» ankreuzen, verspricht Mühlberger.

Kunden in Grenzregionen, die das zugestellte Telefonbuch gegen eine andere Ausgabe tauschen möchten, können das ebenfalls gratis tun. Mühlberger: «Ein Anruf bei uns genügt.» Das sei bisher seitens Swisscom Directories möglicherweise zuwenig kommuniziert worden.

(sf/mulr/doer)

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