Sendung vom 03.11.2009
Mieterärger für Seniorin: Unmoralisches Angebot
Endlich wird für eine 83-jährige Rentnerin ein Platz frei in einem Altersheim. Sie muss per sofort einziehen, doch ihre Mietwohnung kann sie erst in sechs Monaten kündigen. Die langjährige Mieterin hofft nun, dass der Vermieter ihr entgegen kommt – und wird von ihm bitter enttäuscht.
Ein Abschied, der schwer fällt: Margrith Celio, 83-jährig, aus Zürich zieht aus ihrer Wohnung aus. 60 Jahre lebte sie darin. Die alten Möbel kommen ins Brockenhaus. Und mit ihnen Erinnerungen aus einem halben Jahrhundert. Die Umstände des Auszugs sind traurig. In den letzten Wochen hat Margrith Celio die unschönen Seiten ihres Vermieters entdeckt. «Wenn man 60 Jahre an einem Ort gewohnt hat und am Schluss noch abgezockt wird, dann ist das nicht mehr moralisch», sagt die Rentnerin.
Wohnung als Baustelle
Mit 23 Jahren zog Margrith Celio frisch verheiratet nach Zürich. Die Dreizimmerwohnung war gerade neu gebaut worden. Mit, für 1950, ausgezeichnetem Komfort. Nun hat Margrith Celio – per sofort – einen Platz im Altersheim gefunden. Bloss: Ihre Wohnung kann sie gemäss Vertrag frühestens per Ende März künden.
Celio und ihre Tochter versuchten, mit dem Vermieter eine Lösung zu finden. Damit die Rentnerin nicht nach 60 Jahren noch weiter Miete zahlen muss. Doch mit dieser Antwort des Vermieters Peter Rüegg haben die beiden nicht gerechnet. Der Vermieter bietet an, sie schon per 31. Dezember aus der Haftung zu entlassen. Doch gleichzeitig will er die Wohnung bereits renovieren. Ab dem 2. November schon – während Margrith Celio noch weiterhin Miete zahlt. So gehe das natürlich nicht, sagt die Tochter. Rita Celio: «Wir zahlen sicher keine Miete während die Wohnung umgebaut wird.»
Über den Tisch gezogen
Empört ist auch Felicitas Huggenberger vom Mieterverband Zürich. Sie findet das Vorgehen des Vermieters stossend und meint: Hier sei ganz einfach versucht worden, eine betagte Mieterin über den Tisch zu ziehen. Es sei kleinlich, eine Mieterin nach 60 Jahren nicht gehen zu lassen. «Und dann will er auch noch auf ihre Kosten sanieren. Das widerspricht dem Gesetz, aber auch dem ethisch-moralischen Verständnis», stellt Huggenberger klar.
Grund für Kulanz hätte der Vermieter genug. In 60 Jahren wurde die Wohnung nie renoviert. Neue Anstriche, sagt die Mieterin, musste sie mit einer einzigen Ausnahme selbst bezahlen. «Kassensturz» fährt zum Geschäftssitz des Vermieters Peter Rüegg in Feldmeilen und will von ihn wissen, wieso Margrith Celio während der Renovierung Miete zahlen soll. Doch der Vermieter will vor der Kamera nicht Stellung nehmen.
Kein Geld für Rechtsstreit
Felicitas Huggenberger rät Margrith Celio, sich keinesfalls auf den unfairen Deal einzulassen. Die Mieterin könne das Mietverhältnis bis Ende März weiterführen oder die Wohnung einem Untermieter überlassen. Huggenberger: «Sie kann auch den Rechtsweg beschreiten und versuchen, den Mieter dazu zu bringen, nicht weiter zahlen zu müssen.»
Der Umzug ins städtische Altersheim ist geschafft. Doch der Mietstreit um ihre Wohnung setzt Margrith Celio noch immer zu. Einen Rechtsstreit kann sich die Rentnerin nicht leisten. Nach 60 Jahren in der gleichen Wohnung wird sie für die letzten Monate einen Untermieter suchen müssen.
(sf/proj/doer)
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