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Geodaten

iPhone-Besitzer können Tracking stoppen

Maria Kressbach
Freitag, 29. April 2011, 15:49 Uhr

Aufregung um Apple: Eine Datei auf dem Iphone speichert das genaue Bewegungsprofil der Handybesitzer. Datenschützer sehen ein grosses Missbrauchspotenzial. ETH-Informatikingenieur Thomas Heinis erklärt, was das für Iphone-Besitzer konkret bedeutet.

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Herr Heinis, Sicherheitsspezialisten haben festgestellt, dass das iPhone 4 Geodaten speichert. Was heisst das genau?

Das bedeutet, dass das iPhone und das iPad teilweise jede Minute aufzeichnen wo sich der Benutzer befindet. Diese Daten befinden sich auf dem Gerät und, nachdem das Gerät mit dem Computer synchronisiert wurde, auch auf dem Computer. 

Welche Daten werden gespeichert und wer hat Zugriff?

Gespeichert wird der Aufenthaltsort des Benutzers, zum Beispel aufgrund von GPS- oder WLAN-Access-Daten. Diese werden teilweise mehrere Jahre gespeichert. Auf dem Gerät haben legitime Anwendungen aus dem App-Store keinen Zugriff auf diese Daten. Auf dem Computer können diese Daten allerdings sehr einfach ausgelesen werden. Ist der Computer aber ausreichend gesichert, dann kann auch niemand auf diese Daten zugreifen. Die Daten werden nach aktuellen Erkenntnissen nicht ganzheitlich zurück an Apple geliefert, lediglich kleine Ausschnitte werden anonymisiert zurückgesandt. 

Weshalb werden diese Daten im Gerät gespeichert?

Das geschieht, damit die Lokalisierung des Benutzers – zum Beispiel wenn er Google-Maps benutzt – verbessert und beschleunigt werden kann. Die Lokalisierung des Benutzers mit GPS kann bis zu 5 Minuten dauern, mit den gespeicherten Daten kann man eine grobe Lokalisierung viel rascher vornehmen.

Sind nur iPhones und iPads betroffen, oder auch andere Geräte?

Die meisten Smartphones verwenden ähnliche Mechanismen zur Verbesserung der Lokalisierung. Google's Android speichert dieselbe Information, allerdings nur die letzten 50 –200 Positionen und nicht über Jahre wie bei Apple. Auch werden diese Daten bei der Synchronisierung nicht auf den Computer geladen. 

Bild Porträt von Thomas Heinis
Thomas Heinis, ETH-Informatikingenieur

Was kann man mit diesen Daten anstellen? Müssen sich die Gerätebesitzer Sorgen machen?

Mit diesen Daten kann man sehr genau ermitteln, wo sich ein Benutzer aufgehalten hat. Das kann dazu dienen, Werbung kontext- und ortsabhängig zu gestalten. Das ist soweit eher harmlos. Beunruhigender ist, dass Drittpersonen die Gerätebesitzer ausspionieren können. Mobilfunkanbieter müssen zwar ebenfalls gewisse Daten speichern. Auf diese kann aber nur die Polizei zugreifen und nur mit richterlichem Beschluss. Auf die Daten des iPhones und iPads hat jeder Zugriff der auf das Gerät oder den dazugehörenden Computer zugreifen kann.

Apple sagt, es handle sich um einen Programmierfehler. Ist diese Begründung in Ihren Augen glaubhaft?

Das ist sehr gut möglich. Apple hat sich auch sehr schnell bereit erklärt, das Problem zu beheben. Das weist darauf hin, dass hinter der Datensammlung keine (böse) Absicht steckt.  

Was können Gerätebesitzer unternehmen, wenn sie die Speicherung der Ortsdaten verhindern wollen?

Derzeit kann man drei Dinge tun: Ersten können die Nutzer die Daten, die auf den Computer geladen werden, verschlüsseln. Das verunmöglicht oder erschwert zumindest den Zugriff von Dritten. Dazu gibt es in iTunes die Option «iPhone Backup verschlüsseln», respektive «iPad Backup verschlüsseln».

Ausserdem können sie das Tracking unterbinden, indem sie mit dem iPhone oder iPad auf die Webseite «https://oo.apple.com» gehen.

Auf dem Gerät selbst können Nutzer in den Einstellungen unter «Ortungsdienste» das Sammeln von GPS-Daten unterbinden. Allerdings werden andere Daten – zum Beispiel die jeweiligen Mobilfunknetze – immer noch gesammelt.

In Kürze wird Apple ein Update anbieten. Mit diesem werden die Daten nur noch zeitlich beschränkt gespeichert. Und: Durch das Abstellen der Ortungsdienste werden die Nutzer die unliebsame Spionage-Datei löschen und das weitere Sammeln unterbinden können.