Multimedia
«Espresso»
Laute Werbung ist nicht laut
Musik und Werbung werden heute technisch so aufbereitet, dass sie lauter wirken, als sie effektiv sind. Viele Radio- und Fernsehkonsumenten stören sich daran. Neue Richtwerte sollen die Situation entschärfen.
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Jeder hat es schon erlebt: Entspannt hört man dem Fernseh-Moderator zu und zuckt dann erschreckt zusammen, weil der nachfolgende Werbespot plötzlich viel lauter ins Wohnzimmer schallt. Auch im Radio erscheint die Musik oft lauter, als die Stimme der Moderatoren. Viele Zuschauer und Zuhörer ärgern sich darüber.
Werbung wird mit weniger Dezibel gesendet
Aber sind Musik und Werbung wirklich geräuschvoller als das übrige Sendeangebot? Das Konsummagazin «Espresso» von DRS1 hat verschiedene Fernseh- und Radioprogramme unter die Lupe genommen und sich mit einem Messgerät an die Lautsprecher gesetzt. Mit erstaunlichem Ergebnis: Der erste Eindruck vermittelt klar, dass Werbung und Musik klangvoller gesendet werden. Misst man aber die Lautstärke in Dezibel, ist die Stimme der Moderatoren lauter.
Diese falsche Wahrnehmung entsteht laut Akustik-Forscher Kurt Heutschi, weil die Werbung immer mehr «aufgemotzt» wird. Am Anfang dieser Entwicklung steht die Musikindustrie. Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen – also um andere zu übertönen – mischen Musikproduzenten Lieder auf eine neue Weise. Kurt Heutschi erklärt: «Die heutige Musik wird lauter, weil das so komprimiert und gegen das Maximum geschoben wird.» Und diese Dynamik-Kompression verwende man sicher auch in der Werbung.
Einheitliche Richtlinien sollen Abhilfe schaffen
Thomas Zürcher von der Publisuisse, der Firma, die dem Schweizer Fernsehen Werbeblöcke liefert, bestätigt: «Man will, dass ein Werbespot möglichst gut wirkt beim Zuschauer. Deshalb nimmt der Produzent mehr Geld in die Hand.»
Wenn Musik oder Werbung aber zu knallig produziert werden, greifen viele zur Fernbedienung oder schalten ganz ab. Und das ist nicht nur in der Schweiz so. Deshalb hat die EBU, die europäische Rundfunkunion, Richtwerte festgelegt. Das sollte das Problem von lauter Musik oder Werbung lösen. Dani Richiger von der SF-Produktionsfirma TPC erklärt: «Bis jetzt wurde der Pegel nur technisch gemessen. Neu will man versuchen, das Problem mit einer ‚gehörmässigen‘ Messung zu regeln. Das menschliche Ohr soll integriert werden.» Somit sollte das Klangbild der Radio- und Fernsehangebote einheitlicher werden. Im Moment wird abgeklärt, was diese Neuerung kostet, der definitive Entscheid steht noch aus. Voraussichtlich wird aber anfangs 2012 umgestellt.












