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Betrugsversuch mit Autogewinn

Maria Kressbach
Freitag, 21. Oktober 2011, 14:48 Uhr, Aktualisiert 24.10.2011, 16:00 Uhr

Viele Schweizer bekommen in letzter Zeit von der Gewinnermittlungszentrale Istanbul die Meldung, sie hätten ein Auto im Wert von mehreren 10‘000 Franken gewonnen. Bevor sie ihren Gewinn in Empfang nehmen können, müssen sie aber erst einmal bezahlen. «Kassensturz» sagt: Finger weg von solchen Gewinnversprechen.

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Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen! So frohlockt es zurzeit bei vielen Schweizern durchs Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Eine Anwaltskanzlei aus Deutschland. Der Preis: Ein neues Auto im Wert von Zehntausenden von Franken. Der BMW, Opel oder Audi stehe in der Türkei bereit für die Lieferung vor die Haustür. Eine deutsche Anwältin – genannt werden verschiedene Namen – sei im Auftrag der Gewinnermittlungszentrale Istanbul vor Ort und werde den Transport regeln. Der Gewinner solle umgehend Kontakt zu ihr aufnehmen.

Schalterbeamter verhindert Überweisung

Auch Anita Eglin wurde angerufen. Die 77-jährige hatte zwar nie an einem Wettbewerb teilgenommen, wurde aber trotzdem neugierig und wählte die angegebene Nummer. Die vermeintliche Anwältin – eine Frau Dr. Beate Hoffmann – erklärte ihr, das Auto stehe bereit. Alles was Frau Eglin tun müsse: Rund 600 Euro für den Transport überweisen.

«Im Vergleich zu einem BMW im Wert von 52‘000 Euro erschien mir dieser Betrag lächerlich», erzählt Frau Eglin, «daher wollte ich das Geld wie von Frau Hoffmann verlangt via Western Union Bank überweisen.» Glücklicherweise schrillten beim Schalterbeamten am Bahnhof Basel sofort die Alarmglocken: Er fragte die Rentnerin nach dem Zahlungszweck und riet ihr sogleich, die Überweisung zu unterlassen. Die Masche mit dem Autogewinn sei bestens bekannt.

Alleine in Lausanne 50 Betrugsversuche pro Woche

Vertriebspartner der Western Union Bank ist die SBB. Laut deren Mediensprecher Reto Kormann sind solche Abzockversuche tatsächlich gross in Mode: «Leider sind uns solche Fälle bestens bekannt. In einer Stichprobe haben wir beispielsweise alleine in Lausanne 50 Betrugsversuche pro Woche registriert. » Die SBB und Western Union Bank schulen deshalb ihre Mitarbeiter. Sie sind verpflichtet, bei dubiosen Überweisungen gezielte Fragen zu stellen. Auf der Internetseite der Western Union Bank finden sich zudem wichtige Tipps zum Schutz gegen solche Betrugsmaschen.

Beispiele aus Deutschland zeigen, dass diese  Vorsichtsmassnahmen ihre Berechtigung haben: Kaum hatten die Opfer das Geld für den Transport überwiesen, kamen weitere Forderungen, zum Beispiel für die Fahrzeug-Zulassung oder für die Versicherung.

Ominöse Anwältin verstrickt sich in Widersprüche

Frau Eglin überwies das Geld nicht. «Zum Glück wurde ich gewarnt. Im Nachhinein könnte ich mir die Haare raufen.» Aber im ersten Moment schien alles sehr glaubwürdig, die Anwältin hätte einen sehr seriösen Eindruck gemacht.

Die seriöse Fassade von Frau Dr. Beate Hoffmann begann jedoch schnell zu bröckeln, als «Kassensturz» die Dame am Telefon mit den Vorwürfen konfrontierte. Schnell verhedderte sie sich in Widersprüchen. «Ich betreue nur einen Kunden – Herrn Scherz – eine Frau Eglin kenne ich nicht.» Obschon sie zweifellos mehrmals mit ihr telefoniert hatte. Auch der Anruf bei einer zweiten vermeintlichen Anwältin – ihr Name: Christa Hülsemann – endete ernüchternd: Sie hatte  nachweislich mehrere Telefonate mit angeblichen Gewinnern geführt, wollte davon aber plötzlich nichts mehr wissen.

Kein Wettbewerbsgewinn gegen Vorkasse

Hier hilft nur eins: Finger weg von solchen dubiosen Gewinnversprechen. Wer einen Preis gewonnen hat, muss mit Sicherheit nichts bezahlen. Das Geld wäre unwiederbringlich verloren.