Familie und Freizeit
«Espresso»
Warnung vor manipulierten Hotelbewertungen
Hotelbewertungsseiten im Internet kämpfen mit geschönten Bewertungen. Der grösste deutschsprachige Anbieter «Holidaycheck» versieht betroffene Hotels neu mit einem Warnhinweis. «Espresso» erklärt, wie die schwarzen Schafe entdeckt werden und worauf Konsumenten achten müssen.
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Ein schöner Sandstrand direkt vor dem Hotelzimmer, klares Meerwasser, gastfreundliches Personal und wunderbares Essen. Wer eine solche Hotel-Beschreibung liest, möchte am liebsten seine nächsten Ferien dort verbringen. Dumm nur, wenn all die schönen Worte erstunken und erlogen sind.
Schwarze Schafe werden markiert
Solche Fälle gibt es auf Hotel-Bewertungsseiten im Internet immer wieder. Geflunkert wird zum Teil im grossen Stil. Die grösste deutschsprachige Seite «Holidaycheck» mit Sitz in Bottighofen TG hat nun reagiert und stellt Hotels mit falschen Bewertungen an den Pranger. «Achtung – Manipulationsverdacht». Diese Worte fallen sofort auf, wenn man auf «Holidaycheck» zum Beispiel ein bestimmtes Hotel an der türkischen Riviera aufruft. Dieses Hotel ist eines von einem guten Dutzend, die von «Holidaycheck» mit einer Warnung versehen wurden.
Die Warnhinweise wurden letzte Woche auf der Plattform eingeführt, weil man laut «Holidaycheck»-Sprecher Ulrich Kramer vermehrt auf geflunkerte Hotel-Bewertungen stösst und die Methoden bestens kennt. «Hinter gefälschten Bewertungen stecken eigentlich immer Hoteliers, die entweder selber schreiben oder Freunde und Mitarbeiter beauftragen, eine positive Bewertung abzugeben. Das sind vermutlich Hoteliers, die etwas zu verbergen haben und mit Sicherheit schlechte Qualität anbieten.»
60-köpfiges Qualitätsteam sorgt für Ordnung
Doch mit positiven Bewertungen schön zu reden, das macht auf die Länge wenig Sinn. Wer darauf hereinfällt und das Hotel bucht, der hinterlässt nachher mit Sicherheit eine schlechte Kritik und warnt so andere Interessenten. Damit es erst gar nicht soweit kommt, betreibt «Holidaycheck» einen grossen Aufwand. Nur so kann man bei gut 2000 Hotelbewertungen, die pro Tag eintreffen, die faulen Einträge herausfiltern. Ulrich Kramer erklärt: «Da hilft uns ein technisch ausgeklügeltes System. Es fragt 16 Kategorien ab. Wir prüfen die E-Mails zum Beispiel auf die IP-Adresse und auf die Sprache. Alle Bewertungen, die auffällig sind, werden dann von einem 60-köpfigen Qualitätsteam genauer geprüft. Zum Beispiel verlangen wir eine Hotelrechnung als Beweis.
Hoteliers können sich rechtfertigen
Etwa jeder zehnte Beitrag wird bei «Holidaycheck» nicht aufgeschaltet. Der grösste Teil davon weil beleidigende Aussagen darin enthalten sind. Andere erscheinen nicht auf der Plattform, weil der Verdacht besteht, dass der Eintrag vom Hotelier selbst verfasst sein könnte. Und dann wird «Holidaycheck» aktiv. «Wir schreiben dann das Hotel an und bitten um eine Stellungnahme», so Kramer. «Der Hotelier hat dann die Chance, den Verdacht auszuräumen, den Vorwurf innerhalb seines Teams abzuklären. Erst wenn der Hotelier nicht reagiert oder die Vorwürfe abweist, dann kommt unser grauer Warnhinweis neben das entsprechende Hotel auf unserer Seite. Und wenn ganz sicher ist, dass manipuliert wird, bringt «Holidaycheck» ein roter Stempel an. Kann der Verdacht widerlegt werden, wird der Warnhinweis umgehend entfernt.
Sogar Werbeagenturen werden beauftragt
Rechtsanwältin Nathalie Glaus hat eine Arbeit zu deisem Thema geschrieben. Sie bewertet diese Entwicklung positiv: «Prinzipiell ist das sehr begrüssenswert. Hotelbewertungen sind vermehrt wettbewerbswirksam. Konsumenten machen ihre Entscheide immer mehr auch von solchen Hotel-Bewertungen abhängig. Und da ist sicher gut, wenn sich ein Anbieter einer solchen Plattform für den Inhalt verantwortlich fühlt.»
Sie bezweifelt aber, dass alle gefälschten Einträge herausgefiltert und alle schwarzen Hotelier-Schafe gefunden werden können. Diese beauftragen nämlich immer mehr auch professionelle Werbefirmen, die mit grossem Aufwand gefälschte Bewertungen ins Internet stellen. Konsument haben so keine Chancen, Fälschungen zu erkennen.
Vorsicht vor allzu positiven Bewertungen
Die Rechtsanwältin empfiehlt daher, bei allzu positiven Bewertungen grundsätzlich vorsichtig zu sein. «Ein Hotel mit Durchschnittsnote sechs ist sicher kritisch zu behandeln.» Ausserdem sollten Interessenten ihrer Meinung nach darauf achten, wieviele Bewertungen abgegeben wurden. «Wenn ein Hotel sehr viele Bewertungen hat, ist der Wahrheitsgehalt vermutlich etwas grösser, als wenn da nur zwei Bewertungen stehen. In einem solchen Fall empfehle ich, sich noch andere Bewertungs-Portale anzusehen und dort weitere Bewertungen zu suchen.»
Auch für die Hoteliers lohnt es sich, ab und zu einen Blick auf diese Bewertungen zu werfen. Denn es komme immer wieder auch vor, dass ein Konkurrent einen schlechten Kommentar hinterlässt. Betroffene Hoteliers können sich dann beim Portalbetreiber melden und sich wehren.












