Inhalt

Familie und Freizeit

Skibillett

Grenz-Skigebiete: Schweizer zahlen mehr

Lea Hartmann
Freitag, 16. Dezember 2011, 14:25 Uhr, Aktualisiert 20.12.2011, 14:46 Uhr

Euroabzocke auf der Skipiste: Skipässe für Schweizer Wintersportorte sind im Ausland teilweise günstiger als in der Schweiz. In Zermatt zahlen Schweizer für eine Saisonkarte fast fünfzig Prozent mehr als die italienischen Nachbarn.

Bild

Mehr zum Thema

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

Das Skigebiet Zermatt/ Cervinia am Fuss des Matterhorns gehört zu den teuersten Wintersportorten der Schweiz – zumindest für Schweizer Skifahrer. Italienische Gäste, die von der Talstation Cervinia her kommen, benutzen zwar dieselben Anlagen, zahlen jedoch bedeutend weniger.

Schweizer zahlen 500 Franken mehr

Eine internationale Tageskarte für einen Erwachsenen kostet in Zermatt 86 Franken. In Cervinia bezahlt man für denselben Tagespass 52 Euro (rund 64 SFr). In Italien zahlt man für die Benutzung exakt derselben Pisten, Sessel- und Skilifte also rund ein Drittel weniger als in der Schweiz.

Für eine Saisonkarte müssen Schweizer Skifahrer sogar knapp fünfzig Prozent mehr bezahlen: Sie kostet in Zermatt für eine erwachsene Person 1599 Franken, in Cervinia nur 890 Euro (rund 1095 SFr). Für die gleiche Leistung müssen Schweizer rund 500 Franken mehr hinblättern.

Tricks ausgeschlossen

Die Tickets in Italien kaufen, die Ferien aber im schönen Zermatt verbringen – eine Fussnote am Ende der Preisliste verhindert, dass auch Schweizer von den italienischen Preisen profitieren. Dort steht, dass ein in Cervinia gekaufter Tagespass bei der ersten Fahrt des Tages auf italienischer Seite entwertet werden muss.

Und auch die günstige Saisonkarte ist mit einer Klausel versehen: Maximal sechs Tage pro Monat darf die Skitour vom Wallis aus gestartet werden – die restlichen Tage muss man auf italienischem Boden die erste Fahrt antreten.

«Das ist absolut nicht in Ordnung»

Schweizer Feriengäste fühlen sich von den massiven Preisunterschieden diskriminiert. «Ich finde es absolut nicht in Ordnung, dass Italiener viel günstiger aufs Kleine Matterhorn kommen als wir», sagt Beatrice Huber aus dem Kanton Zürich. Sie besitzt im Walliser Wintersportort eine Zweitwohnung und kommt mit ihrem Mann und den drei Kindern jedes zweite Wochenende nach Zermatt.

«Ganz Zermatt profitiert von uns als Konsumenten – auch in der Nebensaison. Das sollte honoriert werden.» In einer E-Mail an die Zermatter Bergbahnen bat sie um eine Erklärung für die massiven Preisunterschiede. Bisher ohne Erfolg: Auf eine Antwort wartet Frau Huber bis heute.

Preisdifferenz stieg dieses Jahr

Auf Nachfrage von Kassensturz beziehen die Bergbahnen Zermatt Stellung. Reto Wyss, Leiter Marketing und Verkauf, nennt als Gründe für die teureren Schweizer Tickets unter anderem die höheren Löhne und Infrastrukturkosten in der Schweiz.

«Wie bei allen Branchen gibt es auch bei uns Preisunterschiede, die durch die Kostenstruktur der Schweiz gegenüber dem Ausland gegeben sind», sagt er. Ein Preisunterschied habe schon immer bestanden. Aufgrund der Währungssituation habe sich die Differenz dieses Jahr aber noch vergrössert.

Es geht auch anders

Starker Franken hin oder her: Andere grenzübergreifende Skigebiete kennen keine solch grossen Preisdifferenzen. Im Wintersportgebiet Portes du Soleil, welches Wallis und Frankreich verbindet, kostet ein Tagespass 57 Franken beziehungsweise 43 Euro. In der Schweiz zahlt man für die gleichen Pisten pro Tag also rund vier Franken mehr als in Frankreich.

In Samnaun/ Ischgl ist der Tarif auf Schweizer Seite mit 57 Franken pro Tageskarte fast identisch mit dem Preis eines Tickets in Österreich (45.50 Euro).