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Familie und Freizeit

Tieranschaffung

Die Bedürfnisse der Haustiere

Maria Kressbach
Dienstag, 10. Januar 2012, 8:52 Uhr, Aktualisiert 08:59 Uhr

Verschiedene Haustier-Arten haben sehr individuelle Bedürfnisse. Der Schweizer Tierschutz hat einen Anforderungskatalog für verschiedene Haustiere zusammengestellt, der zukünftige Tierhalter beim Kauf helfen soll.

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Wer sich ein Tier anschaffen will, muss sich das reiflich überlegen. Jede Haustierart hat ganz spezifische Bedürfnisse. 

Die Zoologin Dr. Eva Waiblinger von der Fachstelle Heimtiere des Schweizer Tierschutzes hat für «Kassensturz» die wichtigsten Aspekte für die häufigsten Haustierarten zusammengestellt:

  • Hunde
  • Katzen
  • Meerschweinchen
  • Kaninchen
  • Vögel
  • (Land-)Schildkröten
  • Andere Reptilien
  • Rennmäuse
  • Goldhamster
  • Zwerghamster
  • Ratten
  • Zierfische

HundehalterInnen sollten sich bewusst machen:

  • dass Hundehaltung viel Zeit und persönliches Engagement braucht und man bei jedem Wetter mehrmals täglich mit dem Hund spazieren gehen muss, gerade auch mit kleinen Hunden, denen das «Schosshund»-Image anhaftet.
  • dass Hundehaltung bei der heutigen gesetzlichen Regelungsdichte sehr kompliziert ist und man gerade mit grossen, dunkelhaarigen Hunden oft von der Bevölkerung kritisch angeschaut wird. Weil Hundehaltung so öffentlich ist, brauchen Hundehalter sehr viel Verantwortungsgefühl, müssen Rücksicht nehmen. Oft ist ein dickes Fell und Geduld bei der Navigation durch den Hundegesetz-Paragrafendschungel notwendig.
  • dass HundehalterInnen und ihre Hunde ein Leben lang gemeinsam lernen und sich weiterentwickeln müssen. Gute Hundehalter lassen es nicht bei einem Sachkundenachweis bleiben, sondern bilden sich stetig weiter.

KatzenhalterInnen sollten sich bewusst machen:

  • dass Katzen sehr individuell und eigensinnig sind. Die bessere Beziehung zu Katzen entsteht, wenn der Mensch auf die Kontaktwünsche der Katze eingeht, und nicht Kontakt mit der Katze fordert. Der Besitzer sollte warten, bis die Katze selber kommt und sich streicheln lässt.
  • dass Katzen Beute machen und diese auch gelegentlich nach Hause bringen. Wer Mühe damit hat, dass die Katze lebende, halbtote oder tote Beutetiere heimbringt, sollte sich eher für ein vegetarisches Heimtier wie Kaninchen oder Meerschweinchen entscheiden. Katzen können und sollen nicht zum Vegetarismus gezwungen werden, es sind ganz klare Fleischfresser und Beutegreifer mit einer Spezialisierung auf Mäuse.
  • dass auch Katzen viel Raum, eine artgerechte Einrichtung (Verstecke, Rückzug, erhöhte Liegeplätze und 3D-Nutzung des Raumes, Kratzgelegenheit, pro Katze eine Toilette) und Aufmerksamkeit des Menschen brauchen. Ausserdem muss man sich auch mit Katzen –

 insbesondere Wohnungskatzen – intensiv und lange abgeben muss, damit sie nicht vereinsamen.

MeerschweinchenhalterInnen sollten sich bewusst machen:

  • dass Meerschweinchen keine Streicheltiere sind. Sie leiden nachgewiesenermassen unter massivem Stress und Angst, wenn sie unter ihren Schlupfhäusern hervorgeholt, herumgetragen und gestreichelt werden. In grosszügigen Gehegen und in der Gruppe zeigen sie dagegen ihr spannendes Sozialverhalten und sind sehr gesprächig untereinander. Meerschweinchen können nur mit viel Geduld gezähmt und handzahm gemacht werden.
  • dass Meerschweinchen Rauhfutterfresser sind und darum vor allem Heu und Kräuter brauchen, keine Körner. Nur im Winter bei Aussenhaltung ist Körnerfutter notwendig. Sie dürfen ausserdem nie fasten und vertragen keine schnellen Futterwechsel.
  • dass Meerschweinchen als Fluchttiere ein Überangebot von Unterschlüpfen (Hüttchen, Röhren, Äste, Tunnels,...) benötigen.

KaninchenhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass Kaninchen keine Streicheltiere sind. Kaninchen können zwar mit viel Geduld handzahm gemacht werden, in artgerechter Freiland-Gruppenhaltung werden sie jedoch nie sehr zutraulich, ausser man schenkt ihnen sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit.
  • dass Kaninchen Rauhfutterfresser sind und darum vor allem Heu und Kräuter brauchen, keine Körner. Nur im Winter bei Aussenhaltung ist Körnerfutter notwendig. Sie dürfen ausserdem nie fasten und vertragen keine schnellen Futterwechsel.
  • dass Kaninchen als Fluchttiere ein Überangebot von Unterschlüpfen (Hüttchen, Röhren, Äste, Tunnels,...) benötigen und sie zudem graben können sollten. Das geht am besten in einer grosszügigen, marder- und ausbruchssicheren Aussenhaltung von mehreren Quadratmetern Fläche, so dass die Kaninchen auch genügend Platz haben, zu hoppeln, zu rennen und Haken zu schlagen.

VogelhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass Vögel fliegen können müssen. In kleinen Käfigen, in denen die Tiere nur von Stange zu Stange hüpfen können, bekommen sie Muskelschwund und können schlussendlich gar nicht mehr fliegen, sind verkrüppelt. Vögel brauchen ausserdem Beschäftigung (frische Äste, Knabbermaterial, wippende Sitzgelegenheiten, Futter zum Bearbeiten).
  • dass Vögel sehr laut werden können.
  • dass viele Vogelarten, vor allem Papageien, sehr alt werden. Wellensittiche können 12 Jahre, Unzertrennliche 20 Jahre, Amazonen und Graupapageien 40 Jahre alt werden.
  • dass Vögel soziale Tiere sind und mindestens einen Artgenossen als Partner brauchen, dies ist auch so gesetzlich vorgeschrieben. Viele Vögel gehen mit ihrem Partner eine Bindung fürs Leben ein. Der Mensch oder ein Spiegel kann einen Artgenossen niemals ersetzen.

(Land-)SchildkrötenhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass Landschildkröten ein grosszügiges Gartengehege mit verschiedenem Untergrund (Kies, Sand, Erde, Steine), Bewuchs (Magerwiese, niedrige Büsche), Sonnen- und Schattenplätzen benötigen. Schildkröten brauchen Gras und Kräuter als Nahrung, keinesfalls Früchte oder Gemüse!
  • dass Schildkröten sehr alt werden. Die älteste bekannte Schildkröte hiess Harriet und wurde 176 Jahre alt. Griechische Landschildkröten werden «nur» maximal 100 Jahre alt, normalerweise bei guter Pflege zwischen 40 und 70 Jahre. Für Schildkröten muss man jedenfalls in seinem Testament schon einen Lebensplatz bestimmen, denn sie werden einem garantiert überleben.
  • dass Schildkröten einen Winterschlaf halten müssen. Erstens braucht dies etwas Erfahrung bezüglich der Methode (Spezialisten fragen!), zweitens sieht man seine Heimtiere dann von Oktober bis April überhaupt nicht.

Andere ReptilienhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass sie Wildtiere halten, die spezielle Ansprüche an Lebensraum, insbesondere an das Klima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtqualität), Futter (allenfalls Lebendfutter) und Terrarieneinrichtung stellen.
  • dass sie nur Tiere aus Nachzucht erwerben sollten. Zu viele Reptilien sind bedroht durch hemmungslosen Fang für den Tierhandel, oder auch für die Gewinnung von Reptilienleder.
  • dass auch Futtertiere Tiere mit eigenen Bedürfnissen und einem Anspruch auf artgerechte Haltung sind. Mäuse und Ratten dürfen heute von Gesetzes wegen mit wenigen Ausnahmen nur noch tot verfüttert werden, daher müssen zum Beispiel Schlangenhalter entweder schon getötete Futtertiere kaufen oder die entsprechende Ausbildung und Erfahrung haben, wenn sie sie selber töten müssen.

RennmaushalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass Rennmäuse graben müssen. Sie brauchen dazu mindestens 30cm tiefe Einstreu, die stabil genug ist, dass sie darin Tunnels anlegen können.
  • dass Rennmäuse keine Streicheltiere sind, aber mit Sonnenblumenkerne relativ einfach handzahm gemacht werden können. Achtung vor Kabeln bei Freilauf! Ausserdem sind die Tiere sehr flink, Einfangen geht am besten mit Röhren.
  • dass Rennmäuse zwar soziale Tiere sind und in (gleichgeschlechtlichen) Gruppen leben sollten, dass plötzliche Aggression zwischen anhin friedlichen Tieren ein immer häufigeres Phänomen ist. Dies erfordert dann eine sofortige Trennung der Tiere, ansonsten ist mit Todesfällen zu rechnen, und eine getrennte Haltung der Streithammel in separaten Terrarien. Bei gleichgeschlechtlichen Gruppen von Rennmäusen vermehren sich in der Regel daher die Terrarien, nicht die Tiere.

GoldhamsterhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass Goldhamster graben müssen. Sie brauchen dazu mindestens 40 cm tiefe Einstreu, die stabil genug ist, dass sie darin Tunnels anlegen können. In ihrem Bau schlafen die Goldhamster tagsüber und lagern ihre Futtervorräte ein. Goldhamster sollen Futter hamstern können. Das Futterlager muss aber immer wieder kontrolliert und schlecht gewordenes Futter entfernt werden.
  • dass Goldhamster Einzelgänger sind und allein gehalten werden müssen! Ausserdem sind sie streng nachtaktiv und eignen sich absolut nicht als Heimtier für Kinder. Manche Goldhamster sind nur von 23 Uhr bis 05 Uhr wach und leben vollständig an ihren tagaktiven menschlichen Haltern vorbei.
  • dass ein Laufrad nicht schädlich, sondern eher gesundheitsförderlich ist, wenn es die richtigen Masse (30 cm Durchmesser, keinesfalls kleiner) und eine sichere Konstruktion (solide Lauffläche, keine Speichen, keine Schereneffekte) aufweist.

ZwerghamsterhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass Zwerghamster graben müssen. Sie brauchen dazu mindestens 20 bis 30 cm tiefe Einstreu, die stabil genug ist, um darin Tunnels anlegen zu können.
  • dass Zwerghamster keine Streicheltiere sind, aber mit Futterbelohnungen relativ einfach handzahm gemacht werden können. Freilauf ist bei diesen kleinen, flinken Tieren nicht zu empfehlen.
  • dass Zwerghamster im Gegensatz zum Goldhamster zwar soziale Tiere sind und in (gleichgeschlechtlichen) Gruppen oder Paaren mit kastriertem Männchen leben sollten. Plötzliche Aggression zwischen anhin friedlichen Tieren wird aber immer häufiger. Dies erfordert dann eine sofortige Trennung der Tiere und eine getrennte Haltung der Streithammel in separaten Terrarien (ansonsten ist mit Todesfällen zu rechnen).

RattenhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass Ratten sehr anspruchsvolle und intelligente Pfleglinge sind. Sie benötigen viel Platz, am besten in einem mehrstöckigen Gehege mit Kletter- und Versteckmöglichkeiten, eine gute Hygiene (Ratten riechen wegen ihre Urins schnell sehr streng), abwechslungsreiches, mehrheitlich vegetarisches Futter, sowie Beschäftigung für Kopf und Pfoten, zum Beispiel Freilauf, Futter, das erarbeitet werden muss (Schälen, Aufbeissen, Zernagen), neue Gegenstände zum Erkunden.
  • dass Ratten unterdessen eine sehr kurze Lebenserwartung von nur noch 1 bis 2 Jahren haben. Die meisten Ratten müssen wegen Krebsgeschwüren und Tumoren eingeschläfert werden.
  • dass Ratten soziale Tiere sind und in gleichgeschlechtlichen Gruppen oder gemischten Gruppen mit kastriertem Männchen leben sollten.

ZierfischhalterInnen sollten sich bewusst machen,...

  • dass ihre Besitzer sehr viel über Wasserqualität und Wasserchemie wissen müssen, um für die Tiere optimale Bedingungen schaffen zu können. Je grösser das Becken, desto einfacher ist es, stabile Wasserwerte zu erreichen. Ausserdem ist es zu empfehlen, die Wasserhärte des Hahnenwassers zu bestimmen und anschliessend Fischarten zu wählen, denen diese Wasserhärte gut bekommt – ein Wasserchemie-Parameter weniger, der eingestellt und überwacht werden muss.
  • dass die Haltung weniger Fische und weniger Fischarten im Becken von Vorteil ist. Eine zu hohe Dichte und unpassende Arten aus verschiedenen Lebensräumen zusammengemischt, führen zu Stress und Krankheitsanfälligkeit der Tiere. Ideal sind Habitataquarien, also Aquarien, die einen Lebensraum aus der Natur nachbilden und in denen nur Fische leben, die auch in der Natur zusammen vorkommen. Wichtig ist zudem, dass man nur Fische wählt, die als Erwachsene nicht zu gross werden. Haiwelse beispielsweise können 1,5 bis 2 m lang werden, verkauft werden sie als Jungtiere aber mit nur 7 bis 10 cm Länge.
  • dass Wasserwechsel alle 2 bis 3 Wochen notwendig ist, um die Nitratwerte tief zu halten. Nitrat ist ein Abfallprodukt aus dem Stoffwechsel der Fische und führt zu verminderter Gesundheit, Lebenserwartung und Fruchtbarkeit.

Noch ein paar wichtige Hinweise für angehende HeimtierhalterInnen:

  • Keine Spontankäufe von Tieren
  • Keine Mitleidskäufe von Tieren
  • Keine Tiere unbedacht aus dem Ausland mitbringen
  • Keine Tiere als Überraschungsgeschenke
  • Keine Tiere über Gratis-Inserateplattformen auf dem Internet kaufen