Familie und Freizeit
Internetfalle
Gaunerbande ködert mit herzigen Büsis
Ein Zuchtbüsi für 135 Franken? Auf der Inserate-Plattform tradus.ch wimmelt es von dubiosen Schnäppchenangeboten für Rassentiere. Die Betrüger knüpfen Interessierten nur Geld ab. Ricardo-Tochter tradus.ch versprach strengere Kontrollen. Doch getan hat sich wenig.
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Eine Geschichte, die das Herz jedes Tierfreundes erweicht: Bengalkätzchen Coco, süss und verspielt, sucht ein neues Zuhause. Frauchen wohnt in Belgien und fühlt sich seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr fähig, sich um das Tier zu kümmern. Deshalb will sie Coco und seine Geschwister an eine liebevolle Familie in der Schweiz verschenken. Einzig die Transportkosten von 125 Euro pro Büsi muss der neue Besitzer übernehmen – und die Katze inklusive einem Jahr Gesundheitsgarantie gehört ihm.
Alles nur erfunden
Zu schön, um wahr zu sein. Hinter der Geschichte, die einem eine Frau namens Lucy per E-Mail – herzerwärmend und in gebrochenem Deutsch – erzählt, stecken Betrüger. Sie verschicken die Mails mit den gefühls- und fehlertriefenden Worten an alle Interessierten, die auf der Anzeige-Plattform tradus.ch, einer Tochterfirma von ricardo.ch, auf ein Inserat der Gauner reagieren.
«Kassensturz» berichtete bereits im April vergangenen Jahres über deren Maschen: Ob eine Bengalkatze für 135 Franken, ein Malteser-Welpe für 180 Euro oder ein Kapuziner-Äffchen für 450 Franken – auf tradus.ch schalten die Betrüger Dutzende von falschen Kleinanzeigen.
Tipps für den Tierkauf im Internet
Wer sich online auf die Suche nach einem Haustier macht, muss Vorsicht walten lassen – insbesondere bei Verkäufern aus dem Ausland. Züchter empfehlen dringend, das Tier sowie die Verkäufer vor dem Kauf unbedingt zu besuchen.
Nur so ist die Seriosität der Tierhalter eindeutig feststellbar. Auf tierschutz.com findet sich eine Checkliste mit Fragen, die sich angehende Tierbesitzer vor dem Kauf eines Haustieres stellen sollten (siehe «Mehr zum Thema»).
Doch sobald man die Rechnung im Voraus bezahlt hat, folgen die bösen Überraschungen: Plötzlich verlangen unbekannte Transportfirmen hunderte von Franken für eine Lebensversicherung für das Tier und verrechnen frei erfundene Zoll- und Tierarztkosten. Käufer erhalten Zahlungsaufforderung an Zahlungsaufforderung, auf das Tier warten sie vergebens.
Die Situation hat sich verschärft
Nach dem Beitrag von «Kassensturz» im letzten April versprach tradus.ch, ab sofort die Qualitäts- und Sicherheitskontrollen auszubauen. Geschäftsleiterin Vanessa Delplace versicherte, eine Person alleine für Sicherheits- und Qualitätskontrollen einzustellen. Doch auf dem Anzeigenportal wimmelt es noch immer von dubiosen Tierinseraten. «Weil wir heute sechsmal mehr Angebote haben als vor einem Jahr, sind mittlerweile sogar vier Mitarbeiter für diese Kontrollen zuständig», sagt Sprecherin Mojca Fuks. Pro Tag würden sie 160 Inserate löschen. «Es kann vorkommen, dass immer wieder neue Anzeigen aufgeschaltet werden und wir nicht nachkommen», gibt Fuks jedoch zu bedenken.
Seit vergangenem April sei bei tradus.ch zudem ein Tool im Einsatz, das betrügerische Inhalte automatisch erkennen und löschen sollte. Des Weiteren prangt über jedem Tier-Inserat eine Warnung mit Tipps, was bei Tierkäufen zu beachten ist. Für die User besteht die Möglichkeit, verdächtige Anzeigen zu melden.
Inserate sollen nicht eingestellt werden
«Das Inserat wird dann von einem Mitarbeiter kontrolliert und – wenn sich der Verdacht erhärtet – sofort gelöscht und der Verkäufer gesperrt», erklärt Fuks. Eine Stichprobe von «Kassensturz» zeigt jedoch: Auch nach der Meldung ist ein eindeutiges Scheininserat am folgenden Tag noch online. Zusammen mit Dutzenden von weiteren neu aufgeschalteten Betrüger-Anzeigen.
Trotzdem: Zur Verhinderung betrügerischer Angebote den Handel mit Tieren komplett einzustellen, kommt für tradus.ch nicht in Frage. «Die Rubrik Tierwelt ist für uns sehr wichtig», sagt Sprecherin Mojca Fuks. Eine Entfernung der Rubrik sei aktuell kein Thema. Und so bleibt der Kampf gegen die Tier-Gauner ein Katz-und-Maus-Spiel.












